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Balkankonflikt ArtikelMit dem Begriff Balkankonflikt wird das großenteils gewaltsame Zerbrechen des Staates Jugoslawien in den 1990er Jahren verstanden. Verursacht wurde er durch die schweren ökonomischen Probleme, denen sich das Land in den 1980er Jahren ausgesetzt sah, verbunden mit einer nationalistischen Politik und Propaganda, die vor allem von der damaligen serbischen Macht-Elite, mit der Absichtsetzung der Schaffung von Großserbien aber auch von Politikern anderer Teilrepubliken ausging. Eine wesentliche Ursache des Streits zwischen den Republiken lag in der Verteilung der finanziellen Mittel zwischen den Teilrepubliken (ähnlich dem deutschen Länderfinanzausgleich). Angesichts der auf Grund der Hyperinflation stets kleineren zur Verfügung stehenden Mittel beanspruchten Kroatien und Slowenien als die reichsten Republiken größere Teile der bei ihnen erwirtschafteten Mittel für sich, während die ärmeren Republiken Serbien und Mazedonien einen höheren Anteil als Ausgleich für die schlechte Wirtschaftlage für sich verlangten. Dieser Konflikt konnte, auch auf Grund eines nicht klar etablierten Regierungssystems nach Titos Tod 1980 nicht gelöst werden.
In dieser bereits aufgeheizten Atmosphäre veröffentlichte 1986 die Serbische Akademie der Wissenschaften und Künste ein Memorandum, im das politische System Jugoslawiens direkt angegriffen wird und von einer systematischen Benachteiligung des serbischen Volkes die Rede ist. Es ging sogar soweit, von einem Genozid an den Serben in dem Kosovo zu schreiben. Dieses Memorandum war eine der Initialzündungen für einen stets stärker aufkommenden Nationalismus innerhalb der serbischen Volksgruppe, aber auch der anderen Nationalitäten. Besonders durch die Politik von Slobodan Milošević, der seit 1984 Leiter der Belgrader Regionalgruppe und seit September 1987 Parteisekretär des Bundes der Kommunisten Serbiens war, wurden diese nationalistischen Spannungen verschärft. Einen weiteren Auftrieb erhielten diese, als 1989 unter Miloševićs Anleitung und mit dem Absicht seiner Machterweiterung durch eine Änderung der serbischen Verfassung die seit 1974 bestehende Autonomie des Kosovo und der Vojvodina aufgehoben wurde.
Im Sog der politischen Umwälzungen in den anderen sozialistischen Staaten Osteuropas 1989/1990 bildeten sich dann auch in Jugoslawien neue Parteien und es kam 1990 zu ersten freien Wahlen in einigen Republiken, die mehrheitlich von nationalistisch agierenden Parteien gewonnen wurden. Daraufhin proklamierten am 25.06 1991 zunächst Slowenien und Kroatien ihre Unabhängigkeit, was von der Belgrader Führung als Verfassungsbruch angesehen wurde. Dies war auf Grund unklarer Formulierungen in der Verfassung von 1974 möglich, in der zwar das Selbstbestimmungsrecht der Völker Jugoslawiens festgeschrieben war, aber Modalitäten für einen Austritt der einzelnen Republiken aus der Förderation nicht einmal in Erwägung gezogen worden waren. Darum versuchte die Belgrader Führung unter maßgeblichen Einfluss von Milošević, die Unabhängigkeit mit Hilfe der Jugoslawischen Volksarmee (JNA) zu verhindern. So kam es in dem Juni 1990 in Slowenien zu ersten Kämpfen zwischen der Armee und Unabhängigkeitsbefürwortern. Diese Konflikte breiteten sich in der Folgezeit in vielen Gebieten des Landes aus. Insbesondere in den Republiken mit nicht ethnisch homogener Bevölkerung (Bosnien-Herzegowina, Kroatien) wurden die Kämpfe hart und lang andauernd geführt. So forderte der Balkankonflikt etwa 250 Tausend Todesopfer. Es kam zu Massenfluchten und Vertreibungen, Vernichtungen und Zerstörungen.
Da die Bundesarmee (JNA) von Serben dominiert war und der serbischen Führung unter Slobodan Milošević nahestand, mussten die Republiken Slowenien, Kroatien und Bosnien-Herzegowina eigene Armeen aus Polizei und Territorialverteidigung improvisieren. Bei der Territorialverteidigung handelte es sich um eine parallel zur Armee existierende Institution, welche mit einer der Feuerwehr ähnlichen Organisationsform in dem Falle eines Angriffes schnell und unbürokratisch die Verteidigung bis zu dem Eintreffen der Armee organisieren sollte und dem Befehl der Gemeindeverwaltung unterstand.
Buch-Tipp: Balkankrieg. Die Zerstörung Jugoslawiens Staatszerfall mit Nachhilfe Am 24. März 1999 erlebte die schrittweise vorangehende Zerstörung der Jugoslawischen Förderation ihre Abschlußphase: In dem Zusammenhang mit den militärischen Auseinandersetzungen zwischen dem jugoslawischen Bundesheer und der Kosovo-Befreiungsarmee UCK begann die Luftwaffe der NATO einen unerklärten Bombenkrieg. Die... | |
Obwohl zu den Zahlen der Kriegsopfer unterschiedliche Angaben existieren (so wird die Zahl der Opfer in Bosnien und Herzegowina mit 150 Tausend bis 250 Tausend angegeben) und diese mitunter auch interessengeleitet sind, lässt sich mit einiger Gewissheit schätzen, dass die Kämpfe beim Zerfall Jugoslawiens etwa 350 Tausend Menschen das Leben kosteten und mehr als 3,5 Millionen Menschen zur Flucht zwangen.
Folgende offizielle Zahlen der Republiken zu den Kriegsopfern sind bekannt:
- Bosnien und Herzegowina: (Statistisches Amt der Föderation von Bosnien-Herzegowina): 242.330 Tote, 175.286 Verwundete, 36.470 Vermisste
- Kroatien: (Kroatische Regierung aus dem Jahr 1995): 9.212 Tote, 28.359 Verwundete, 2.858 Verschollene
- Slowenien: (Offizielle slowenische Angaben): 19 Tote und 182 Verletzte (Angaben der Jugoslawischen Volksarmee): 44 Tote und 184 Verletzte
- Kosovo: (Da es bis heute keine genauen offiziellen Zahlen gibt, beruhen die Opferzahlen auf Flüchtlingsberichten und Massengrabfunden): 4 Tausend Leichen oder Leichenteile bis 2002 ausgegraben; etwa 800 albanische Tote wurden bislang in Serbien gefunden
- Serbien: (Angaben der Jugoslawischen Volksarmee): 142 getötete serbische Polizei- und Armeeangehörige in dem Kosovo; die NATO-Operation 1999 führte zu etwa 5 Tausend Todesopfern in der Bundesrepublik Jugoslawien (NATO-Angaben); nach jugoslawischen Angaben kamen 462 Soldaten, 114 Polizisten und etwa 2 Tausend Zivilisten ums Leben
Buch-Tipp: Der gerechte Krieg Kritik an der Legitimation der NATO in dem Kosovo Der Aufsatzband "Der Gerechte Krieg?" enthält Beiträge von Joachim Hösler, Norman Paech und Gerhard Stuby. Hösler stellt in seinem Essay "Balkanisierung - Europäisierung?" die These auf, dass es den Politikern in den NATO-Staaten nicht um die Erhaltung eines multi-ethnischen... |
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Buch-Tipp: Der leere Himmel. Reise in das Innere des Balkan Die Beschreibung für das Buch " Der leere Himmel. Reiseins Innere des Balkan" fehlt leider. Weitere informatione finden Sie auf der Seite des Buchhändlers. Klicken Sie dafür auf den Link über diesem Text. Die Seite des Händlers öffnet sich in neuem Fenster. |
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- Serbische Intellektuelle fordern in dem Sanu Memorandum ein Ende der so genannten „Diskriminierungen des serbischen Volkes“. Das Memorandum propagiert unter anderem einen „Genozid“ am serbischen Volk in dem Kosovo und eine antiserbische Verschwörung Kroatiens und Sloweniens gegen Serbien.===1989===
- Am Vidov-dan (St. Veits-Tag) findet eine von hundertausenden Serben besuchte nationalistische Kundgebung auf dem Amselfeld statt. Slobodan Milosevic verlangt auf dieser Veranstaltung mehr Rechte und Einfluss für die Serben in dem jugoslawischen Staatsverband. Viele Slowenen und Kroaten fühlen sich durch den serbischen Machtanspruch bedroht. Bei ihnen wächst der Wunsch, den jugoslawischen Staat zu verlassen.
Buch-Tipp: Deutsche Republiken. Scheitern und Triumph der Demokratie Als erste Einführung brauchbar, sonst zu oberflächlich Wilhelm von Sternburg kann fesselnd erzählen. Dies wird besonders deutlich bei seinem vorliegenden Werk. Er beschreibt deutsche Geschichte zwischen 1870 und 1990 vom Bismarckreich bis zur Deutschen Wiedervereinigung. Klar und prägnant skizziert Sternburg in seinem Buch die wichtigsten Entwicklungslinien... |
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- März kam es zu ersten Auseinandersetzungen zwischen der kroatischen Nationalgarde und der vom serbischen Belgrad aus geführten Jugoslawischen Bundesarmee.
- 27.06 bis 4.07: Kämpfe zwischen der Jugoslawischen Volksarmee und der slowenischen Territorialverteidigung nach der Unabhängigkeitserklärung Sloweniens am 26.06
- Besetzung der Plitvitzer Seenplatte durch die Jugoslawische Volkarmee.
- 5.07: EG-Waffenembargo gegen Jugoslawien.
- 25.07: Der serbischstämmige Bevölkerungsteil erklärte, aufgrund der sich abzeichnenden Verfassungsänderung, die "Souveränität des serbischen Volkes in Kroatien" und gründete einen Nationalrat.
- 26.07: wurde die kroatische Verfassung geändert, die keine speziellen Gruppenrechte für die serbische Minderheit vor sah.
- 18.11: Nach 87 Tagen Belagerung fällt die völlig zerstörte Stadt Vukovar in serbische Hand. In der Stadt werden ethnische Säuberungen an Kroaten und Kriegsverbrechen begangen.
- 22.12: Kroatien verabschiedete eine neue Verfassung als einheitlicher und souveräner Staat, die Krajina-Serben erklärten sich für autonom und die sogenannte Republik Serbische Krajina wurde ihrerseits ausgerufen. Absicht ist die Vereinigung mit den Bosnischen Serben und Serbien zu einem Großserbien.
Buch-Tipp: Deutsche Republiken. Scheitern und Triumph der Demokratie. Als erste Einführung brauchbar, sonst zu oberflächlich Wilhelm von Sternburg kann fesselnd erzählen. Dies wird besonders deutlich bei seinem vorliegenden Werk. Er beschreibt deutsche Geschichte zwischen 1870 und 1990 vom Bismarckreich bis zur Deutschen Wiedervereinigung. Klar und prägnant skizziert Sternburg in seinem Buch die wichtigsten Entwicklungslinien... |
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- 15.01: Anerkennung Kroatiens und Sloweniens durch die EG
- 3. März: Verkündung der Unabhängigkeit von Bosnien und Herzegowina, Beginn der miltärischen Auseinandersetzungen zwischen bosnischen Serben auf der einen und bosnischen Kroaten und Muslimen auf der anderen Seite
- 30.05: Der UN-Sicherheitsrat verhängt Sanktionen gegen Serbien und Montenegro.
- 25.08: In der Nacht wird die Universität von Bosnien und Herzegowina in Sarajevo in Trümmer geschossen. Serbische Artilleristen aus den umliegenden Hügeln haben Ziellich Granatenins historische Gebäude gefeuert und die Bibliothek in Flammen aufgehen lassen. Ihr gesamter Bestand – eineinhalb bis zwei Millionen Bücher – verbrennen. Die Asche geht stundenlang auf die Stadt nieder.
- Oktober 1992 : Beginn der Kämpfe zwischen den herzegowinischen Kroaten und bosnischen Muslimen=== 1993 ===
zerstörte Häuser in der Nähe des Sarajevoer Flughafens
- März: Die Serben lehnen den ersten einer Reihe von Friedensplänen ab.
- 3.07: Proklamation der Kroatischen Gemeinschaft Herceg-Bosna durch die HDZ unter Führung von Mate Boban
- 23.07: Der UN-Sicherheitsrat verurteilt die Offensive der bosnischen Serben zur Isolierung Sarajevos.
- Die Machthaber der bosnischen Serben lassen ethnisch gemischte Ehen gesetzlich verbieten.
- 9.11: Kroatische Geschütze zerstörten die Altstadt von Mostar, darunter die weltberühmte Brücke der Osmanen Stari Most. Sie sollte gerade zu dem UNESCO-Weltkulturerbe erklärt werden.
Buch-Tipp: Die Serben. Blüte, Wahn und Katastrophe Eine kurze Geschichte Serbiens. . . Dieses Buch ist für alle Leser geeignet, die sich einen groben, aber dennoch umfassenden Überblick über die wechselhafte Geschichte des Balkans, hauptsächlich natürlich Serbiens, verschaffen wollen. In 36 kurzen Kapiteln beschreibt der Autor die Ereignisse auf dem Balkan, die zur Entstehung Serbiens in seiner... |
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- 28.02: Erste Kampfeinsätze der NATO.
- Belagerung der Stadt Goražde . UN-Soldaten werden als Geiseln genommen.
- März: Kroaten und Bosniaken beenden ihren Konflikt in der Herzegowina und vereinbaren unter US-Vermittlung eine Föderation.
Buch-Tipp: Grundzüge der Balkandiplomatie Eine Beschreibung zum Buch " Grundzüge der Balkandiplomatie" finden Sie auf der Seite des Buchhändlers. Um dorthin zu gelangen klicken Sie bitte auf den Link oberhalb von diesem Text. Sie werden automatisch zu diesem Buchtitel weiter geleitet. |
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- Mai: Die kroatische Armee startet die Offensive "Blitz" gegen die serbisch kontrollierten Gebiete in Westslawonien (siehe auch Republik Serbische Krajina).
- 22.05: Einheiten der bosnischen Serben transportieren schwere Waffen aus einem Waffendepot der UNO ab. Das UNO-Kommando fordert die sofortige Zurückgabe. Die gesetzte Frist wird von den Serben ignoriert.
- 25.05: NATO bombardiert auf Anforderung der UNO ein Munitionsdepot der bosnischen Serben in Pale. Die Serben antworten mit einem Artilleriebeschuß von Sarajevo und Tuzla und bringen eine Anzahl von Blauhelmen in ihre Gewalt. Die bosnischen Serben betrachten die Blauhelme als Kriegsgefangene und verlangen für ihre Freilassung die Einstellung der Luftangriffe.
- 11.07: Eroberung der UN-Schutzzone Srebrenica durch serbische Truppen.
- August: Die Vereinigte Staaten Amerika legen dem UNO-Sicherheitsrat Fotomaterial eines US-Aufklärers vor. Die Bilder lassen auf Massenexekutionen und -gräber in der Region schließen. Später wird sich herausstellen, dass über 7 Tausend Zivilisten hingerichtet wurden: die schlimmsten Gräueltaten in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg.
- 21.11: Vertrag von Dayton. Friedensvertrag unter Vermittlung von Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Russland und den Vereinigte Staaten Amerika. Bosnien und Herzegowina wird dadurch zu einem föderativen Staat mit zwei Entitäten.
Buch-Tipp: Im Dienste des Friedens. Tornados über dem Balkan Um ausführliche Informationen zum Buch " Im Dienste des Friedens. Tornados über dem Balkan" zu bekommen klicken Sie bitte auf den Hyperlink oberhalb von diesem Text. Sie werden zum entsprechenden Buch auf der Händlerseite weiter geleitet. |
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